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Take Five for Europe - Wi bleven dran: Bericht und Ergebnisse

Take Five for Europe 2011 im Bürgerhaus Güstrow

Von Dienstag (01.11.) bis Donnerstag (03.11.) trafen sich etwa 40 Jugendliche und  Fachleute der Jugendhilfe aus drei norddeutschen Bundesländern in Güstrow, um gemeinsam mit Politikerinnen und Politikern verschiedener Entscheidungsebenen in einen sogenannten „Strukturierten Dialog“ zu Bildungsthemen zu treten. Die Teilnehmer_innen aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern tauschten sich im Güstrower Bürgerhaus unter anderem zu den Fragen aus:     

  • Wie kann der Gedanke der Inklusion in Kindergarten, Jugendarbeit, Schule und Gesellschaft gelebt und gemeinsam gestaltet werden?
  • Welchen Stellenwert hat das non-formale Lernen? Wie können Jugendliche sich in den Freiräumen ausprobieren?
  • Wie schafft man es, Jugendliche stärker auf kommunaler, regionaler sowie europäischer Ebene zu beteiligen? Welche Beteiligungsstrukturen sind jugendgerecht und zeitgemäß?
  • Wie werden in Zeiten des Fachkräftemangels Jugendliche beim Übergang in die Berufswelt zielorientiert begleitet?

Beim Strukturierten Dialog zwischen Jugendlichen und politisch Verantwortlichen werden die Ansichten und Meinungen, die Vorschläge und Anregungen junger Menschen systematisiert und engagiert weitergegeben, damit sie bei der Politikgestaltung ernsthaft berücksichtigt werden können. Ein Dialog hat natürlich zwei Seiten: Die Folgetagung zum Take Five des Vorjahres in Hamburg „Wi bleven dran“ fasste nach und fragte nach den Veränderungen, die der europäische Dialog in die hier umzusetzende europäische Politik gebracht hat.  

„Europapolitik, europäische Politik ist alles andere als fern unseres Alltags“, sagte die Internationale Referentin des Landesjugendrings Mecklenburg-Vorpommern, Karin Baresel. „Wir nehmen nur viel zu selten wahr, dass Dinge, die in Brüssel und Straßburg, diskutiert und beschlossen werden, direkt unser Leben hier in Norddeutschland beeinflussen. So ist es auch mit der Bildungspolitik: Wir setzen europäisches Recht und Gesetz um, in den Schulen und in den vielen anderen Bildungsstätten, von der Kindertagesstätte bis zum Jugendverband.“  

Politik ist allerdings keine Einbahnstraße: Die Mitgliedsstaaten haben durch ihre Parlamente und Regierungen dabei durchaus mitzureden und auch in den Verhandlungen mitzuentscheiden. So wirken die Bürger indirekt mit an der Themenfindung und Gesetzgebung in Europa.  

Direkt und sehr konkret arbeiteten die Teilnehmer in selbstorganisierten Arbeitsgruppen (BarCamp-Methode), vorrangig zu den Themen Partizipation, Formale und non-formale Bildung und Mobilität.

Klar wurde einmal mehr: Der direkte Kontakt von Jugendlichen zu Politikerinnen und Politikern der europäischen Ebene, des Bundestags, der Landtage, der Kreistage und der kommunalen Ebene ist als wichtigstes Element des Strukturierten Dialogs engagiert und ambitioniert durch Zusammenarbeit von Fachleuten der Jugendhilfe, freier Bildungsträger und Schulen vorzubereiten und umzusetzen.

Take Five for Europe 2011 im Bürgerhaus Güstrow

Die Ergebnisse der Regionalkonferenz norddeutscher Bundesländer zum Thema „Lernen in und für Europa“ Thesen  

  1. Kinder und Jugendliche sind nicht nur unsere Zukunft,  sondern auch Teil unserer Gegenwart.
  2. Der Strukturierte Dialog ist als Partizipationsinstrument und -kultur weiter zu entwickeln und breiter zu nutzen.
  3. Mobilität ist allen Kindern und Jugendlichen in der EU verpflichtend zu ermöglichen.
  4. An allen Bildungsorten soll formale und non-formale Bildung möglich sein.

Forderungen zum Thema Partizipation:  

  1. Kinder und Jugendliche müssen als gleichberechtigte Partner in Politik und Gesellschaft anerkannt werden.
  2. Die Bürgerrechte aller Kinder und Jugendlichen auf Beteiligung sind konsequent umzusetzen.
  3. Die Europäische Kommission wird aufgefordert, ein eigenständiges Finanzierungsinstrument für die non-formale Jugendbildung, auch auf nationaler Ebene, zu erhalten.
  4. Politik soll auf allen Ebenen Beteiligung mitdenken und ermöglichen.
  5. Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist, über die Beteiligung an sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe  hinaus, als verpflichtende Aufgabe in das Kinder- und Jugendhilfegesetz aufzunehmen. (Siehe § 8 SGB VIII)

Forderung zu formaler und non-formaler Bildung:

  1. Auch im Lernraum Schule müssen formale und non-formale Bildungsprozesse gemeinsam stattfinden.
  2. Schule muss sich als Lern- und Lebensort verstehen. Erforderlich ist die Entwicklung einer Kooperation von Trägern formaler und non-formaler Bildung in lokalen Bildungspartnerschaften.
  3. Non-formale Bildungsprozesse müssen auch im didaktischen Sinne in den Fachunterricht einziehen.
  4. Non-formale Bildung soll in der Schule auch altersübergreifend und partizipativ möglich sein.
  5. Außerschulische Bildungseinrichtungen sollen trotz Einbindung der non-formalen Bildungsprozesse in Schule weiterhin als eigenständige Institutionen erhalten bleiben.
  6. Europäische Bildungspolitik erfordert eine Kooperation von Jugendhilfe, freien Bildungseinrichtungen und Schule auf Augenhöhe.
  7. Auch non-formale Bildungsprozesse brauchen eine Anerkennungskultur.

Forderungen zum Thema Mobilität:

  1. Alle Jugendlichen in der beruflichen Ausbildung sollen einen Anspruch  auf einen dreiwöchigen Auslandaufenthalt haben. (Zum Beispiel im gegenseitigen Austausch.)
  2. Mobilität soll schon Thema der Früherziehung sein und mit wachsendem Alter zeitlich erweitert werden.
  3. Mobiltätsförderprogramme sollen für benachteiligte Kinder und Jugendliche leicht zugänglich sein.
  4. Zur Förderung der Mobilität sollen Bildungsabschlüsse im In- und Ausland anerkannt werden.
  5. Auslandsaufenthalte sollen im Rahmen einer Anerkennungskultur zertifiziert werden können.
  6. Unternehmerinnen und Unternehmer sollen die Möglichkeit erhalten, sich zum Thema Mobilität fortbilden zu können.