30 Jahre Deutsche Einheit – 30 Jahre Jugendverbandsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern

03.10.2020

Am 03. Oktober 1990, etwa ein Jahr nach Fall der Mauer, trat die frühere DDR der Bundesrepublik bei. Nach 45 Jahren ist die Teilung Deutschlands beendet. Die Deutsche Einheit hat in allen Bereichen Veränderungen mit sich gebracht. Auch für die Kinder- und Jugendarbeit in Mecklenburg-Vorpommern. So wurde am 01. Dezember 1990 der Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern gegründet, um sich für die Interessen von Kindern- und Jugendlichen sowie die Mitgliedsverbände des LJRMV einzusetzen. 

Wir haben Akteure aus Jugendverbandsarbeit und Politik, die heute und / oder damals in Jugendverbandsarbeit tätig oder jugendpolitisch tätig waren, dazu befragt was sie mit dem Thema „Deutsche Einheit und Jugendarbeit“ verbinden und was die Wende ihrer Meinung nach für die Jugendverbandsarbeit und für die eigene Arbeit bedeutet. 

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Christian Thönelt, Geschäftsführer LJRMV

Christian Thönelt, Geschäftsführer LJRMV

Deutsche Einheit und Jugendpolitik - was verbindest Du mit diesem Thema?

Am Tag der Deutschen Einheit war ich 9 Jahre alt. Meine ersten persönlichen Erfahrungen waren, dass Joghurt und Schokolade plötzlich leckerer schmeckten und auch Urlaubsziele andere wurden. Ich habe Verwandte kennengelernt, welche ich zuvor noch nie gesehen hatte. Etwas später existierten plötzlich Strukturen für Kinder und Jugendliche. Es gab in unserem kleinen Ort bspw. einen Jugendklub, eine Jugendfeuerwehr und regelmäßige Treffen der evangelischen Jugend zu denen ich auch regelmäßig gegangen bin. Vieles davon habe ich in meiner Kindheit und Jugend aber nicht hinterfragt.

 

Heute empfinde ich den Tag der Deutschen Einheit als das bedeutendste gesellschaftliche Ereignis. Mit der Einheit wurden insbesondere von ostdeutscher Seite viele Hoffnungen für eine neue Freiheit, einer neuen Entspannungspolitik und auch für mehr gesellschaftlichen und privaten Wohlstand verknüpft. Mit dem heutigen Blick sind viel der damaligen Erwartungen an die Wiedervereinigung zum Teil erfüllt. Die Zeit des Umbruches darf aber nicht ausschließlich positiv bewertet werden. Auf dem Weg zur Einheit konnte ich miterleben, dass viele Biografien zerbrochen sind. Unsicherheit, Angst, Existenzängste gehörten genauso zur Deutschen Einheit wie Demokratie, Meinungsfreiheit und grenzenloses Reisen. Ich bin jetzt 39 Jahre alt und ich bin dankbar für die erbrachten Leistungen und Erfolge der Generationen vor mir. Nun liegt es an meiner und der jüngeren Generation die Deutsche Einheit zu vollenden und für gleichwertige Lebensbedingungen einzutreten.

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Friedhelm Heibrock, 1991-2020 Geschäftsführer des LJRMV

Friedhelm Heibrock, ehem. Geschäftsführer des LJRMV (1991-2020)

Deutsche Einheit und Jugendpolitik - was verbindest Du mit diesem Thema?

Jugendpolitisch hat die Evangelische Jugend versucht in Verhandlungen mit der DDR (FDJ) zu erreichen, dass kirchliche Jugendgruppen aus der DDR auch ihre Partnergruppen in der Bundesrepublik Deutschland besuchen können. Mit der Deutschen Einheit hatte sich dieses Bemühen erledigt. Leider sind in den Folgejahren auch viele frühere Kontakte zwischen Jungen Gemeinden und christlichen Jugendgruppen in Westdeutschland weggebrochen, da es für die jungen Menschen in Ostdeutschland zur Normalität geworden ist, auch in den Westen zu reisen.

 

Was hat die Wende für die Jugendverbandsarbeit / für deine Arbeit gebracht?

Die Wende hat für mich persönlich bedeutet, dass ich 1991 den Auftrag bekam, den Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern aufzubauen. Zwar gab es bereits erste Landesjugendverbände, die 1990 den LJR gegründet hatten, gegenüber stand mir jedoch ein "Nichts" an Strukturen und nur ansatzweise jugendpolitische Aktivität des LJR M-V. Gern erinnere ich mich an die ersten Kontakte im Bildungsministerium, das damals für Jugendpolitik zuständig gewesen ist und an die ersten Begegnungen und Gespräche mit Landtagsabgeordneten. Es gab noch keinen Landesjugendplan und der erste zeigte deutlich die Handschrift des LJR M-V. Geholfen hat beim Aufbau des LJR M-V vor allem auch der Partner-Landesjugendring Schleswig-Holstein. 

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Dirk Siebernik, Geschäftsführer SJR

Dirk Siebernik, Geschäftsführer SJR

Die Geschichte kennen, um die Zukunft gestalten zu können

30 Jahre – Was für ein gigantischer Zeitraum. Für junge Menschen eine Ewigkeit. Wenn ich gedanklich oder mit alten Fotografien durch diesen Zeitraum reise, tun sich für mich so unglaublich viele Bilder, Erinnerungen, Begebenheiten, Menschen und Orte auf, dass ich mich manchmal dabei ertappe, wie die Schatten der Vergangenheit als Filme an meinem inneren Auge vorbeiziehen.


 

Ich möchte gern drei Erinnerungen mit euch teilen: Als die neu gegründeten Jugendverbände und Initiativen den Schweriner Jugendring als ersten Jugendring in der DDR gründeten, lag eine unglaubliche Aufbruchstimmung in der Luft. Dass das Külzhaus schon im Frühsommer 1990 weitestgehend durch die FDJ-Bezirks- und Kreisleitung an die neuen Jugendgruppen übergeben wurde und der Jugendring in Schwerin eine wichtige Koordinierungsrolle übernahm, machte viele der beteiligten Jugendlichen mächtig stolz. Ich war 26 Jahre alt und Gründungsmitglied der Kindervereinigung e.V. Und dann renovierten wir mit einigen Mitstreitern das Dachgeschoss im Hinterhaus und eröffneten im April 1990 einen Kindertreff, der vom ersten Tag an einen unglaublichen Zulauf hatte. Nach der Währungsunion konnten wir technische Geräte beschaffen und nutzen, von denen wir wenig Wochen zuvor nur träumen konnten. Nur ein Jahr später war das Külzhaus im Fokus rechtsextremer Jugendlicher, die so einige Male im Haus Jagd auf Andersdenkende gemacht haben. Manchmal mussten sich die Jugendlichen auf die Dächer retten, bevor sie Hilfe durch die Polizei bekamen. Bilder die sich festbrennen.

Ich selbst habe dann auf Bitte des Jugendamtes die vakante Leitungsstelle im Jugendhaus Dreesch 1 übernommen und hatte sehr intensive Jahre im größten sozialen Brennpunkt Schwerins. Mit so dramatischen, traurigen, aber auch hoffnungsvollen, fröhlichen, vielfach aber auch radikalen persönlichen Lebensgeschichten der Jugendlichen, die ich niemals vergessen kann. Oft konnten wir helfen, manchmal auch nicht. Rückblickend waren die frühen 90er wie ein Brennglas auf die Gesellschaftstransformation hier im Nordosten.

13 Jahre war ich beteiligt am Aufbau der Kinder- und Jugendarbeit in Schwerin. Wir haben so viel gestalten können, obwohl in der gesamten Zeit die Knappheit der Ressourcen und das Gerede von den freiwilligen Leistungen in der Kinder- und Jugendarbeit uns oftmals viel Motivation nahm.

Und dann stand ich auf einmal im Winter 2005 im Schweriner Schloss und organisierte für den Landesjugendring den Ersten Jugendgeschichtstag in Mecklenburg-Vorpommern. Neben unserem damaligen Ministerpräsidenten Harald Ringstorff kam Klaus Bölling, früherer ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der DDR und berichtete den Jugendlichen vom Besuch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt im Winter 1981 in Güstrow. Gänsehautmomente im Festsaal. Mehr als 5000 Kinder und Jugendliche sind von 1994 bis 2017 Zeitenspringerinnen und Zeitenspringer geworden, haben hunderte Geschichte aus allen Regionen unseres Landes erforscht und erfahren und sie den Menschen in ihrer Region erzählt. Dass ich das so viele Jahre für den Landesjugendring in unserem Bundesland gestalten durfte, erfüllt mich mit Demut. Und macht mich auch stolz.

Die Geschichten sind noch lange nicht zu Ende erzählt. Nur Zeitzeugen, gerade aus der Zeit des Faschismus, gibt es immer weniger. Ich hoffe noch immer, dass das Kapitel der Jugendgeschichtstage und der regionalen Geschichtsforschung junger Menschen in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht für immer zugeschlagen ist. Insofern: immer neugierig bleiben. 

Dirk Siebernik, seit 30 Jahren Jugendarbeiter in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern und Ostdeutschland.

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Jacqueline Bernhardt, jugendpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion DIE LINKE

Jacqueline Bernhardt, jugendpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion DIE LINKE

Nach der Wiedervereinigung gab es einen völligen Umbruch in der Jugend- und Jugendverbandsarbeit. Die Kinder- und Jugendarbeit musste neu aufgebaut werden. Fast genauso lang, wie wir die Wiedervereinigung haben, haben wir gleichbleibende Fördersätze der Kinder- und Jugendarbeit. Hier muss das Land endlich die Kinder- und Jugendarbeit bedarfsgerecht ausbauen und für Planungssicherheit für die Mitarbeiterinnen sorgen.

 

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Dr. Ina Bösefeldt, Referentin für Kinder- und Jugendpolitik und Bildung im Sprengel Mecklenburg-Vorpommern

Dr. Ina Bösefeldt, Referentin für Kinder- und Jugendpolitik und Bildung im Sprengel Mecklenburg-Vorpommern

Deutsche Einheit und Jugendpolitik - was verbindest Du mit diesem Thema?

1989, im November als die Mauer fiel, zu Fall gebracht wurde, war ich fast 11 Jahre alt, am 3. Oktober 1990 dann schon fast 12. Ich lebte in Anklam. Das mag für sich stehen. Ich hatte meine Insel, meinen Platz, meine Tankstelle. Das war der Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern. Im Jugendverband hatte ich die Chance zu wachsen, zu Fuß durch Europa zu wandern und mit Menschen um mich rum, die so alt waren wie ich Spaß zu haben. Wir haben zusammen gelacht, Fragen gestellt und am Lagerfeuer die Welt verändert. Das war gut, das war super gut. Ich bin zur Demokratin geworden an diesem Ort, wie an keinem anderen. 

 

Zu Hause war es eher nicht politisch. Meine Eltern waren dabei durch den Alltag zu kommen, nachdem ihnen das vertraute System gerade unter ihren Füßen weggezogen worden war, sie es sich mit weggezogen haben. Das haben sie super gerockt, fraglos. Aber sie konnten mir nicht sagen, wie die Demokratie funktioniert. Wir lernten das ja irgendwie zeitgleich. Schule. Schule war auch kein Ort, um Demokratie zu lernen. Sozialkunde – Bundeswahlversammlung, Bunderegierung, Tag und Rat … klar Begriffe. Zunächst leer. Aber für den Test hatte ich sie alle drauf. Entscheidungen gemeinsam treffen, Kompromisse aushandeln, eigene Räume und Zeiten gestalten, Prioritäten gemeinsam setzen, respektvoll die andere Meinung, den anderen Menschen ernstnehmen – das alles lernet ich im Jugendverband. Ich bin leidenschaftliche Demokratin geworden im Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern, während auf den Straßen meiner Stadt, Springerstiefel marschierten. Was für ein Geschenk!

Was hat die Wende für die Jugendverbandsarbeit / für deine Arbeit gebracht? 

Das habe ich erst viel später verstanden. 1989 ist die Jugendarbeit der DDR abgewickelt worden – von einem Tag auf den anderen. Klaro! Die Schaffung neuer Strukturen aber die passierte nicht von einem Tag auf den anderen. Das ist sofort einleuchtend. Aber sie passierte m.E. bis heute nicht prioritär, nicht strukturiert, nicht mit alle Kraft und nicht mit dem nötigen finanziellen Mitteln. Das ist nicht nur bedauerlich, das ist ein echtes Versäumnis. Trotzdem wuchsen die Jugendverbände und natürlich gab es auch in MV seit 1990 einen Landesjugendring. Und da waren die Gewerkschaften und der Sport und die Kirchen. Und es wurde mehr und es wurde bunter. Auch die Pfadfinder kamen in Vorpommern an. Weil ein Pionier aus Hamburg loszog und losmachte. Aber bis heute sind die Herausforderungen groß für die kleinen. Die Hauptamtlichen Stellen sind mit der Lupe zu suchen, tarifgebunden bezahlt sind sie eher selten. In der Regel sind sie leidenschaftlich an der Basis unterwegs, inzwischen immer mehr in Städten und immer weniger in den ländlichen Räumen. Ehrenamtliche leisten den größten Teil der Arbeit. Hut ab! Was sie meist nicht mehr leisten können ist politische Arbeit, ist Lobbyarbeit. Und da schließt sich der Kreis, zumindest ein Teil des Kreises. Und eins noch: Damals als die Welt zumindest hier im östlichen Teil des heutigen ganzen Deutschlands völlig aus den Fugen war – alles und nichts möglich, da stand die Kinder- und Jugendarbeit nicht im Zentrum. Heute ist die Welt, und diesmal die ganze, auch aus den Fugen – eine Pandemie von dieser Wucht, mit diesen Einschränkungen, Bedrohung und Herausforderungen kannten wir nicht und auch heute ist die Kinder und Jugendarbeit nicht im Fokus. Ich halte das für einen großen Fehler.  

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Tobias Packhäuser, Ver.di Jugendbildungsreferent

Tobias Packhäuser, ver.di Jugendbildungsreferent

30 Jahre nach der friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit zeigt sich gerade heute, mit Bewegungen wie Fridays for Future, wie wichtig es ist, auf die jungen Menschen in unserem Land zu hören und ihnen auch Gehör zu verschaffen. 30 Jahre Deutsche Einheit bedeutet aber auch die ständige Kürzung von finanziellen Mitteln für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, gerade im ländlichen Raum. Wir müssen jetzt gemeinsam mit den jungen Menschen in unserem Land nach vorne schauen und den Kindern und Jugendlichen nicht nur zuhören, sondern sie ernsthaft beteiligen. Gemeinsam eine Einheit schaffen, die unser Land in wirkliche blühende Landschaften für alle Menschen verwandelt.

 

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Patrick Kunze, BDKJ - Bildungsreferent für Vorpommern

Patrick Kunze, BDKJ, Bildungsreferent für Vorpommern

Deutsche Einheit und Jugendpolitik - was verbindest Du mit diesem Thema?

Die Jugend ist endlich frei. Selbstbestimmt und vor allem wahrlich demokratisch können Jugendliche seit 1990 mitbestimmen. Jegliche Zwänge, um in der Gesellschaft anerkannt zu werden, wurden aufgehoben. Das Ehrenamt hat eine vollkommen neue Bedeutung bekommen. Genau darum geht es auch heute noch: Stärkung des jugendlichen Ehrenamts.

 

Was hat die Wende für die Jugendverbandsarbeit / für deine Arbeit gebracht?

Für meinen Verband bedeutet die Deutsche Einheit, dass katholisches jugendliches Leben in der Öffentlichkeit sichtbar geworden ist. Ebenso ist der Punkt der Diskriminierung von „anders sein“ weggefallen. Viel mehr können Jugendliche sich öffentlich dazu bekennen, dass sie glauben und dies auch nach außen hin zeigen können. Der BDKJ Berlin existiert schon seit 1947 in West-Berlin, doch seit 1990 wächst zusammen, was schon immer zusammen gehörte

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Die Falken, Mitgliedsverband des LJRMV

Die Falken

Deutsche Einheit und Jugendpolitik - was verbindet Ihr mit diesem Thema? 

Während in der DDR-Staatspolitik bis 1989 eine (konforme) Jugend als Zukunft und wichtige Ressource betrachtet wurde, gab’s ab 1990 keine Zukunft mehr, zumindest so empfunden im Osten. Mit den Biographiebrüchen der Elterngeneration wurde schlichtweg alles in Frage gestellt, von der Freizeit im Jugendklubhaus nebenan über die Berufsperspektive nur noch in den alten Ländern oder bei der Bundeswehr. Die ersten Jahre waren geprägt vom Überstülpen des Fördergebahrens aus dem Westen. 

 

Zeitgleich kamen Verbände von dort, die die Kohle für ihren Zweck nutzen wollten. Es ging viel an den eigentlichen und täglichen Interessen der Jugendlichen vorbei. Mehr noch, die alten Strukturen aus der DDR verschwanden und hinterließen Lücken. Merkwürdige Ansätze wie die akzeptierende Jugendarbeit ermöglichten offen rechtsextreme Strukturen. Jugendarbeit ist im Osten seit 30 Jahren chronisch unterfinanziert. Spätestens nach Rostock-Lichtenhagen machte sich das Bewusstsein breit, dass Jugendarbeit und vor allem Jugendverbandsarbeit, auch Bildungsarbeit sein muss. Gerade im Bereich Demokratie, Antirassismus und Antifaschismus. Es waren ebendiese Jugendverbände, die mit darauf gedrungen haben, diese Themen zum Beispiel im staatlichen Bildungssystem mehr zu forcieren. Gerade Jugendverbände waren der erste Motor für eine Demokratieerziehung unter jungen Menschen.

Was hat die Wende für die Jugendverbandsarbeit / für deine Arbeit gebracht? 

Die Jugendarbeit der ersten Jahre in Mecklenburg-Vorpommern bestand aus purer Selbstorganisation von jungen Menschen. Parallel machten sich junge Menschen auf, die Welt zu entdecken. Die Jugend fuhr in den Westen und durch Europa. Entdeckungsreise und Freiheit! Die Falken MV boten hier wie andere Jugendverbände eine Struktur und ein wichtiges Netzwerk, mit denen die neue Bewegungsfreiheit gelebt wurde. Fahrradtour nach Schweden mit 60 Leuten? Gedacht, getan, und einfach los! Städtereisen mit wenig Kohle? Überall gab es solidarische Falken oder Jusos, bei denen man unterkommen konnte. Mit sehr begrenzten Ressourcen und einer ordentlichen Portion Verrücktheit ließ sich Viel gestalten. Leerstellen wurden zu Institutionen und langfristig wirkenden Strukturen, die heute die Interesse von Kindern und Jugendlichen im Land vertreten. Die Freiheiten der ersten Jahre und der hohe Grad an Selbstorganisation prägten viele Menschen, die noch heute in der Zivilgesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern und anderswo aktiv sind. Freiheit(en), Verrücktheiten und Entdeckungsreisen sind wichtige Triebwerke der Jugendarbeit. Wir sollten sie uns stets erhalten und immer wieder neuen Generationen möglich machen!

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Jugendforum im Landkreis Ludwigslust-Parchim, 2017

Markus von Jan, KJR-LUP

Deutsche Einheit und Jugendpolitik - was verbindet Ihr mit diesem Thema? 

In einem gemeinsamen Deutschland ist es seit 1990 nochmals wichtiger geworden, dass politische Entscheidungen nicht ohne Beteiligung der jungen Menschen in Ost und West getroffen werden. Jugendpolitik ist seit 1990 nochmals stärker zur Zukunftspolitik für die gesamte Bundesrepublik Deutschland geworden.

 

Was hat die Wende für die Jugendverbandsarbeit / für deine Arbeit gebracht?  

Was hat die Wende für die Jugendverbandsarbeit / für deine Arbeit gebracht?  Die Wende hat für die Jugendverbände im ehemaligen Westdeutschland neue Möglichkeiten des Reisens, des Engagements, des Vernetzens und des Kennenlernens gebracht. Im ehemaligen Ostdeutschland sind Jugendverbände seit 1990 neu entstanden oder wieder erblüht, sie bieten aktive Gemeinschaft, neue Freiräume und vielfältige Erfahrungen für alle jungen Menschen. Alle Jugendverbände haben seit 1990 wesentlich zum Zusammenwachsen der gemeinsamen Bundesrepublik Deutschland beigetragen. Als 1991 neu gegründeter Kreisjugendring gewinnt unsere Aufgabe, Lobbyarbeit für Kinder und Jugendliche zu machen, seitdem nahezu jährlich an Wichtigkeit. Wir wollen gemeinsam dafür Sorge tragen, dass trotz zahlreicher struktureller und finanzieller Unterschiede die bestmögliche Jugendarbeit auch im ehemaligen Ostdeutschland möglich ist.